"C'est l'Italie"
Manchmal muss man mal raus.
Der Job
stresst, man ist müde, man will mal was anderes sehen. Wir haben
Glück, unser Wohnort Vercelli ist zwar touristisch
unbekannt,
liegt
aber
an
einem
Verkehrsknotenpunkt:
in weniger als einer Stunde erreicht man Mailand und Turin, in eineinhalb
Stunden Genua (Meer) und die Schweiz (Berge), in zwei
Stunden sogar
Frankreich (Baguette).
Und so ging es an
jenem Samstag
nach Frankreich.
Der Frejus-Tunnel war
damals nach einem Brand
gesperrt, eine von zwei Alternativen führte über die Passstraße des Col du Montgenèvre
(it: Colle di Monginevro) - welche natürlich nicht
für das aus der Tunnelsperrung resultierende Verkehrsaufkommen
ausgelegt war! Zusätzlich war prompt zum selben Zeitraum ein
Großteil des Passes eine Baustelle...
So
ging es zum
Schluss, kurz vor der französischen Grenze, nur noch einspurig
voran - Chaos nicht eingeplant. Ampeln sollten eigentlich den
Verkehr regeln, mal die eine Fahrtrichtung durchlassen, mal die
andere.
Es war so viel Verkehr, dass sich die Autos
nicht nur zwischen den Ampeln, sondern auch im einspurigen Bereich
stauten - was es für den Gegenverkehr nicht gerade einfach
machte, dort durchzukommen. So standen wir praktisch bis zur
Grenze hoch, ließen uns dann aber von den Alpen verzaubern!
Der Ausblick war herrlich, die Straße
einfach traumhaft,
der Himmel blau. Bis kurz vor Grenoble kamen wir aus dem Staunen
nicht heraus, die Alpen präsentierten sich von ihrer besten
Seite. Die Route National 91 ist sicherlich eine der schönsten
Straßen, die der alte Kontinent bietet.
In Grenoble haben wir gezeltet - der Geruch
des Zeltes ließ
Erinnerungen und den Wunsch nach Urlaub aufkommen.
Am Sonntag morgen wäre ich am liebsten nach Lyon oder Marseille
weitergefahren, musste aber leider wieder nach Vercelli zurück...
Zwischenstop auf dem Rückweg machten wir
in Briancon, einer hübschen Kleinstadt kurz vor Italien.
Lohnenswert.
Ach ja, der Titel...
Im Stau auf dem Pass kam ich mit einem
Franzosen ins Gespräch, der sein Heimatland gerade verlassen
hatte
und bergabwärts im Stau stand. Zum Chaos meinte er eben nur "C'est l'Italie"....
das ist Italien! Ich lachte, meine Freundin war beleidigt.
Wo er
hinfuhr? "Je
vais à Prague." Nach
Prag.
Hoffen wir
für ihn, dass
es dort weniger chaotisch zuging.