DYLAN DOGIch
wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, mir ein italienisches
Comic zu kaufen, wenn mir nicht Dylan Dog im Italienischunterricht
an der Sapienza vorgestellt worden wäre. Und es klang
versprechend: Ein "Indagatore dell'Incubo", ein
Detektiv des Alptraums also, der in London wohnt (Craven Road 7),
einen Klon Groucho Marx' (der sich auch Groucho nennt) als Assistenten hat, ein altes VW Käfer
Cabrio mit dem Kennzeichen DYD 666 fährt, immer roten Hemden
trägt und sich in jedem Album
neu verliebt. Ach ja, fast hätte ich's vergessen: Und natürlich
die haarsträubendsten Abenteuer bei seinen außergewöhnlichen
Ermittlungen erlebt.
Ursprünglich war
Dylan Dog dem Horror- bzw. Splattergenre zuzuordnen, mit dem für
die 80er-Jahre notwendigen Spritzer Sex (auch der Leser soll ja
was davon haben, dass sich der Held jedes Mal neu verliebt - meist
in seine Klientinnen). Über die Jahre bzw. mittlerweile
Jahrzehnte hinweg (die Serie wurde im Oktober 2006 20 Jahre alt) hat
sich das Spektrum erweitert, die treuen Leser haben mittlerweile
mehrfach den Tod und den Teufel, aber auch Geister, Drachen, Elfe,
Freaks, Außerirdische, Untote und ganz normale Sterbliche und (Serien-)Mörder
kennengelernt. Vom unalltäglichen ging man also langsam zum
alltäglichen Horror über, der sich hinter jeder Ecke unseres
Lebens verstecken kann.
Manche Charaktere
tauchen in mehreren Geschichten auf, aber die meisten trifft man
nur einmal. Auch, weil viele von Ihnen als Tote enden. Konstant
begleiten Dylan Dog dagegen nur sein Assistent Groucho
(welcher einen Kalauer nach dem anderen vom Leder lässt und damit
die Nerven aller Anwesenden auf eine harte Probe stellt); und auch
der Inspektor Bloch von Scotland Yard, einst Dylans Chef
und heute sein Freund und Mentor taucht in den meisten der
Geschichten auf.
Als braver Detektiv,
der aber nur dem Unerklärlichen nachspürt, hat Dylan Dog so
seine Not, Kunden zu finden. Diese kommen manchmal zu ihm,
manchmal hilft er aber auch Bloch aus der Patsche, wenn der in
einem abstrusen Fall nicht mehr weiter weiß und Dylan an übersinnliche Erklärungen glaubt. Wobei Dylan Dog eigentlich gar
nicht an eine Welt jenseits von unserer glaubt, aber keine noch so
abenteuerlich klingende Lösung für einen unerklärlichen Fall
von vornherein ausschließen möchte.
Dylan
Dog wurde von Tiziano Sclavi geschaffen, welcher auch viele
der Geschichten selbst geschrieben hat. Zeichnerisch wurde Dylan
dem amerikanischen Schauspieler Rupert Everett nachempfunden. Die
Geschichten werden von wechselnden Autoren und Zeichnern verfasst.
Nach langer Abstinenz ist Tiziano Sclavi - zur Freude seiner Fans
- mittlerweile wieder stärker in die Serie eingebunden und hat in
letzter Zeit auch wieder einige Geschichten selbst verfasst.
In
Italien sind mittlerweile über 250 reguläre Alben von Dylan Dog
erschienen, plus die Neuauflagen, Sonderdrucke und außerhalb der
Serie veröffentlichte Geschichten. In Deutschland sind bisher
rund 50 Alben erschienen, zuerst bei Carlsen Comics, ab Nr. 21
dann bei Schwarzer Klecks (siehe Link). Allerdings kann ich
absolut nicht verstehen, warum die italienische Nr. 1 in
Deutschland nicht als Nr. 1 erschienen ist, sondern die lang nicht
so spektakuläre Geschichte "Schatten" (im Original
"Ombre") - wie mich überhaupt interessieren würde,
nach welchen Kriterien das Erscheinen der deutschen Ausgaben
festgelegt wird.
Zur
Übersicht der bisher erschienenen Alben.Links:
Dylan
Dog bei Sergio Bonelli Editore
(it.)
Dylan Dog bei Schwarzer Klecks
(dt.)
- Die deutschsprachigen Ausgaben von Dylan Dog gibt es
übrigens auch bei Amazon
-